Stareter-Kit fürs Journaling

Fünf Arten zu schreiben und Fragen, die den Anfang einfacher machen

Journaling klingt nach einer dieser Gewohnheiten, die theoretisch allen helfen und praktisch viele überfordern. Nicht, weil Schreiben so schwer wäre, sondern weil der Anspruch oft höher ist als die Lust. Man setzt sich hin, will reflektieren, klarer werden oder wenigstens irgendetwas Produktives tun und sitzt dann vor dem leeren Blatt mit dem Gefühl, es falsch anzugehen. Tut man nicht. Journaling ist kein System, sondern ein Werkzeug. Und wie bei Werkzeugen gilt: Man darf auswählen, wechseln und es auch mal wieder weglegen.

Die fünf Arten des Journalings

1. Freies Schreiben

Stream of Consciousness ist die minimalistischste Variante. Schreiben ohne Plan, ohne Struktur und ohne Anspruch an schöne Sätze. Alles, was im Kopf ist, kommt aufs Papier – inklusive Wiederholungen, Nebensätzen und innerem Augenrollen. Manche setzen sich ein Zeitlimit, andere schreiben, bis nichts mehr kommt. Ziel ist nicht Ordnung, sondern Sichtbarkeit. Im Nachhinein erkennt man oft, dass man erstaunlich zuverlässig dieselben Dinge denkt. Nicht elegant, aber ehrlich.

2. Dankbarkeitstagebuch

Klingt nach Kalenderweisheit, ist aber im Kern eine einfache Fokusverschiebung. Notiert wird, was gut war. Das kann etwas Großes sein oder etwas so Banales wie funktionierendes WLAN. Es geht nicht darum, alles schönzureden, sondern dem Anstrengenden nicht die komplette Aufmerksamkeit zu überlassen. Funktioniert nicht jeden Tag gleich gut. Muss es aber auch nicht.

3. Journaling mit Impulsen

Die passende Methode für alle, die beim freien Schreiben innerlich sofort aussteigen und mit Angstschweiß an die Aufsätze in Deutsch denken. Fragen oder Satzanfänge geben eine Richtung vor und nehmen den Druck, „einfach mal loszuschreiben“. Man folgt einem Impuls so lange, wie es sinnvoll erscheint – oder hört mittendrin auf. Beides ist erlaubt. Konsequenz ist hier kein Qualitätsmerkmal.

4. Zeitlich begrenztes Journaling

Diese Form ist für Menschen, die gern wissen, wann etwas vorbei ist. Es wird innerhalb eines festen Zeitrahmens geschrieben, oft zu immer denselben Fragen. Fünf oder sechs Minuten reichen völlig. Überschaubar, kalkulierbar und überraschend effektiv, vor allem an Tagen, an denen Motivation nicht vorgesehen ist.

5. Bullet Journal

Weniger Fließtext, mehr Sammelstelle. Gedanken werden in Stichpunkten festgehalten, ergänzt durch Kästchen, Listen oder kleine Markierungen. Besonders geeignet für visuelle Menschen oder alle, die von langen Texten schnell genervt sind. Ordnung darf entstehen. Perfektion ist optional und meist überbewertet.

Fragen, die den Anfang leichter machen

Der schwierigste Teil beim Journaling ist oft der erste Satz. Diese Fragen  können Helfen den Anfang leichter zu machen. Sie sind kein Programm und keine Checkliste. Du musst sie nicht durcharbeiten. Eine einzige reicht völlig. Mehr wäre schon fast ehrgeizig. Suche die Fragen aus die dich ansprechen.

Zum Ankommen

  • Was geht mir gerade durch den Kopf? Meist mehr, als angenehm ist.
  • Was beschäftigt mich mehr, als ich zugeben möchte? Genau das.
  • Wie fühlt sich mein Körper gerade an? Müde zählt. Verspannt auch. „Keine Ahnung“ ebenfalls.

Zum Sortieren

  • Was hat mich heute am meisten angestrengt? Spoiler: Es ist selten das große Drama.
  • Was lief okay, auch wenn es unspektakulär war? Diese Frage wirkt harmlos und entlarvt trotzdem zuverlässig.
  • Was schiebe ich innerlich schon seit Tagen vor mir her? Falls du sofort weißt, was gemeint ist – das ist kein Zufall.

Zum Alltag

  • Wobei habe ich heute einfach funktioniert?
  • Wo habe ich mich selbst ignoriert? Meist nicht aus Bosheit, sondern aus Gewohnheit.
  • Was hätte mir heute ein kleines bisschen geholfen? Kein Wellnessprogramm. Ein kleines bisschen reicht.

Zum Reflektieren

  • Was stresst mich aktuell mehr als nötig?
  • Was davon liegt wirklich in meiner Kontrolle?
  • Was darf gerade unfertig bleiben? Eine überraschend entlastende Frage, vor allem für Menschen mit hohem innerem Anspruch.

Zum Abschluss

  • Was nehme ich aus diesem Tag mit? Ein Gedanke genügt.
  • Was kann ich heute loslassen? Bitte klein denken.
  • Was wünsche ich mir für morgen – realistisch. Kein Neustart, kein neues Leben. Nur ein Tag, der nicht schwerer ist als nötig.

Zum Festhalten

  • Was lief heute besser, als ich gedacht hätte?
  • Was habe ich erledigt, ohne dass es mich komplett erschöpft hat?
  • Welche kleine Sache hat mir heute Energie gegeben, statt sie zu ziehen?

Zum Einordnen

  • Warum war dieser Moment angenehm?
  • Was genau hat ihn leichter gemacht?
  • Lag es an mir, an den Umständen oder einfach an Glück?

Journaling verspricht keine Wunder. Aber es hilft oft, früher zu merken, wenn etwas kippt. Und manchmal ist genau das schon ausreichend.

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